Der Beitrag heute ist von Dami Charf. „Mit Dami verbindet mich, dass ich immer wieder beeindruckt bin von ihren Podcasts, Büchern und Onlinekursen. Ich schätze ihre Klarheit, ihr breites Wissen – und dass sie ihre persönliche Erfahrung und ihren eigenen Weg so offen einbringt.“ Diane von Muutos e.V.

„Was hat dich so berührt, dass du dein Leben (auch) dem Thema Trauma widmest?“ 

Was mich berührt hat – und warum ich tue, was ich tue
Wenn du mir diese eine Frage stellst – „Was hat dich so sehr berührt, dass du dein Leben (auch) dem Thema Trauma widmest?“ – dann weiß ich für einen Moment nicht, wo ich anfangen soll. Denn meine Antwort ist kein einzelnes Ereignis. Es ist eher ein Mosaik aus tausend Erfahrungen, Rissen, Lichtblicken – ein Leben, das nicht „gerettet“, sondern Stück für Stück wieder zusammengesetzt wurde.

Ich habe früh erlebt, was es heißt, nicht wirklich gemeint zu sein. Was es bedeutet, sich zu verlieren, bevor man sich überhaupt entwickeln durfte. Kein sicherer Hafen, kein wirklicher Halt. Ich habe gelernt zu funktionieren, stark zu sein, mich zusammenzureißen. Und gleichzeitig war da diese stille Sehnsucht: Da muss doch mehr sein als Überleben.
Ein Meilenstein für mich war die immense Erleichterung, die mich ergriffen hat, als ich begriffen habe, was mit mir los ist. In einem Buch Worte zu finden, die mich beschrieben. Die mein Leben, meine Dilemmata, meine Gefühle in Worte fassten. Das Konzept von Trauma hat mir so vieles erklärt, was ich vorher nicht greifen konnte. Es war, als hätte ich einen Schlüssel zu einem Schloss gefunden, das ich mein Leben lang nicht öffnen konnte.

Aus den Rückmeldungen zahlreicher E-Mails, die mich heute erreichen, kann ich sehen, dass dies auch für zahllose anderer Menschen der Fall ist: „Endlich weiß ich, was mit mir los ist!“
Es gibt nicht nur meinen eigenen Schmerz auf der Welt. So viele Menschen leiden und wissen nicht warum. So viel Energie, Kreativität, Liebe ist gebunden in unserem individuellen Schmerz, der uns daran hindert, unser Licht zu zeigen.
So viele Menschen sehnen sich nach etwas „anderem“, nach einem echten, verkörperten Leben, das mehr ist als bloß „durchhalten“.

Ich habe durch meine Arbeit erleben dürfen, wie Körper sich erinnern – auch wenn der Kopf längst vergessen hat. Wie sich Menschen Stück für Stück wieder bewohnen. Und wie viel Würde, Mut und Kraft in Menschen steckt, die jahrzehntelang geglaubt haben, mit ihnen sei „etwas nicht in Ordnung“.
Ich habe mein Leben dem Thema Trauma gewidmet, weil ich zutiefst überzeugt bin:
Heilung ist möglich.

Nicht im Sinne eines perfekten, glatten Lebens. Sondern als Rückkehr zu uns selbst. Als ein Leben, das echt ist, mit Gefühl, mit Widersprüchen, mit Schmerz und Liebe.
Vielleicht ist Weihnachten gerade deshalb einer meiner liebsten Momente im Jahr: Weil wir kurz stiller werden. Und weil in dieser Stille manchmal etwas durchscheint, das größer ist als all unser Tun.

Danke, dass du auch hier bist. Danke, dass du dich auf deine eigene Reise machst. Heilung kann nur vollständig sein, wenn unsere Nachbarn, unser Mitmenschen auch spüren können: Da ist jemand. Da ist ein freundlicher Mensch.
Freundlichkeit und Zugewandtheit zu wagen ist nicht selbstverständlich. Nicht heute, nicht damals. Es ist mutig. Es ist berührend. Es ist wichtig. Es ist politisch.
Und es ist der Grund, warum auch ich meinen Weg weitergehe.

Von Herzen,
Dami

Wir leben gerade in einer Meta-Krise, die nur verwandelt werden kann, wenn auch die Stimmen derer hörbar werden, die durch Trauma gegangen sind. Gewaltfreie Kommunikation und das Wissen um Trauma tragen die Kraft, unsere Welt zu verändern – und dein Licht trägt dazu bei, dass dieser Wandel möglich wird.

Diane und das Team von Muutos e.V.

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