Der Beitrag heute ist von Kati Bohnet. „Mit Kati verbindet mich, dass ich ihre liebevollen Bücher für Kinder sehr schätze und es so schön finde, wie sie das Wissen über das Nervensystem lebendig und begeisternd an Kinder, Eltern und Schulen weitergibt.“ Diane von Muutos e.V.

„Warum hat es sich für dich gelohnt, dich mit Traumaheilung zu beschäftigen – sei es auf deinem eigenen Weg oder in der Begleitung anderer?“

Es hat sich gelohnt, weil ich heute wirklich hier bin. Und mehr die Kati-Kati.
Ich funktioniere nicht nur und reagiere auf das Leben, sondern ich gestalte mein Leben an vielen Stellen ganz aktiv selbst. Mit allen Höhen und Tiefen. Doch ich kann die Wellen besser reiten.

Als ich begonnen habe, mich mit Traumaheilung zu beschäftigen, dachte ich, ich wolle einfach „besser klarkommen“, „besser funktionieren“, so wie „alle“. Weniger Stress, weniger Angst, weniger Erschöpfung. Ich wollte etwas loswerden. Heute weiß ich: Heilung bedeutet nicht, etwas loszuwerden – sondern etwas zurückzugewinnen.

Ich habe gelernt, meinem Körper zuzuhören, anstatt ihn zu überreden.
Ich habe gelernt, dass Stille nicht immer gefährlich ist.
Dass Nähe möglich ist, ohne sich zu verlieren.
Und dass Sicherheit kein Zufall ist, sondern ein Zustand, den man ganz neu erfahren kann.

Früher war mein Nervensystem oft im Dauer-Alarm: Ich war organisiert, fleißig, zuverlässig, habe immer gelächelt, war immer freundlich, habe keine Umstände gemacht – aber innerlich immer auf Habacht. Erst mit der Zeit verstand ich, dass viele meiner Stärken ursprünglich aus Überlebensstrategien entstanden waren.
Das war schmerzhaft – und gleichzeitig unglaublich befreiend. Ich konnte anfangen, mich immer weniger über meine Leistung oder Anpassung zu definieren, sondern über mein Dasein. 

Es hat sich gelohnt, weil ich gelernt habe, Grenzen zu spüren – und nicht erst, wenn sie längst überschritten sind.
Weil ich heute weiß, wie sich Sicherheit anfühlt, und was ich brauche, um sie wiederzufinden, wenn sie verloren geht.
Und weil ich erfahren habe, dass Regulation keine Theorie ist, sondern etwas, das in mir geschieht, in meinem Körper und meine größte Stärke ist. 

In meiner Arbeit sehe ich täglich, wie Menschen aufatmen, wenn sie verstehen, dass mit ihnen nichts „falsch“ ist. Dass ihr Nervensystem einfach versucht, sie zu schützen – manchmal ein bisschen zu lange.
Wenn jemand plötzlich spürt: Ich darf langsam machen. Es ist sicher genug zu fühlen.Es ist sicher genug, Nein zu sagen – dann verändert sich etwas Grundlegendes. Das ist der Moment, in dem Heilung sichtbar wird.

Es hat sich gelohnt, weil ich selbst in Krisen heute anders dastehe. Nicht unerschütterlich, meine Baumkronen wanken manchmal ganz schön im Sturm. Doch der Stamm trägt. Ich bleibe stehen. Auch wenn es hart ist.

Und ich weiß, dass ich nicht allein bin.

Traumaheilung hat mein Weltbild verändert:
Ich sehe heute die Kraft in dem, was früher Schwäche schien.
Ich sehe Überlebensintelligenz, wo andere „Störung“ sagen.
Und ich sehe, dass Heilung kein Ziel ist, sondern der Weg – hin zu mehr Selbstkontakt, mehr Mitgefühl, mehr Menschlichkeit.

Wenn ich auf meinen Weg schaue, dann war der nicht immer leicht. Es gab Tränen, Zweifel, Rückschritte. Aber jedes Stück, das sich integriert hat, hat mir ein Stück Freiheit geschenkt. Mehr Kati-Kati.

Darum hat es sich gelohnt.
Weil es mich zu mir zurückgebracht hat.
Und weil ich heute anderen zeigen darf, dass das möglich ist.
Und das macht mein Herz ganz warm.

Kati Bohnet

Wir leben gerade in einer Meta-Krise, die nur verwandelt werden kann, wenn auch die Stimmen derer hörbar werden, die durch Trauma gegangen sind. Gewaltfreie Kommunikation und das Wissen um Trauma tragen die Kraft, unsere Welt zu verändern – und dein Licht trägt dazu bei, dass dieser Wandel möglich wird.

Diane und das Team von Muutos e.V.

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