
Ein Raum für Dich …
Gewaltfreie Kommunikation + Trauma Adventskalender 2025
Der Beitrag heute ist von Heike Gattnar. „An Heike schätze ich ihr enormes Wissen über Trauma und ihre große Erfahrung in der Arbeit damit. Ich mag ihre Freude, ihr Lachen und ihre Lebendigkeit – und wie sie den Blick immer wieder auf Wege und Möglichkeiten richtet statt auf Probleme.“ Diane von Muutos e.V.

Endlich im Leben angekommen: Meine Heilung von Kriegstrauma und Dissoziation
„Warum hat es sich für dich gelohnt, dich mit Traumaheilung zu beschäftigen – sei es auf deinem eigenen Weg oder in der Begleitung anderer?“
Mein recht schwieriges Werden in den Wirren des Krieges hat mich nachhaltig geprägt. ‚Traumatisierung‘ – das Wort dafür – kannte man noch viele Jahre nicht. Auch ich merkte davon nichts, war irgendwo in einem Zwischenreich.
Heute nennt man das ‚Dissoziation‘. Ich war ein stilles Kind, ein Sonnenschein. Lächeln war meine beste Bewältigungsstrategie. Später spürte ich dann die Verlorenheit, die Traurigkeit und hatte das Gefühl ‚alles Leid der Welt zu tragen‘, hatte viele Ängste und war viel krank. All meine Versuche bei Menschen Halt oder Aufgaben zu finden konnten daran nichts ändern.
Psychotherapie gab es damals noch selten und war vielen Menschen, auch meiner Familie, suspekt. Doch verdanke ich einer langen Psychoanalyse, dass meine Symptome weniger wurden und ich wieder Boden unter mir spürte. Dabei geholfen hat mir sicher auch die von Moshé Feldenkrais entwickelte Methode der „Bewusstheit durch Bewegung“, ebenso wie vieles andere, zu dem mich meine Neugier geführt hat.
Als ich 1996 das Somatic Experiencing (SE) kennenlernte, das von Dr. Peter Levine entwickelte Basiskonzept zum Verständnis und zur Bewältigung von Trauma, begann eine weitere Stabilisierung. Seit mehr als 20 Jahren habe ich nun keine Depressionen mehr, habe die heftigen Migräneattacken nicht mehr und sogar meine Abwesenheiten, meine Dissoziation, sind verschwunden.
Es ist – auch wenn ich dazu Jahrzehnte gebraucht habe – als ob ich endlich geboren wurde.
Seit 2002 bin ich nun Trainerin in dieser SE-Methode und es ist eine große Freude meine Erfahrungen weiterzugeben und vor allem zu erleben, wie sich Menschen entfalten und aus ihrem Trauma wieder ins Leben finden.
Als ich 2003 für ein Seminar zu Transgenerationalem Trauma nach Dänemark eingeladen wurde, war mir dieses Thema ganz neu. Auch in den therapeutischen Diskursen war die Thematik noch weitgehend unbekannt und es gab nur vereinzelt Literatur dazu. Heute gibt es dazu eine Vielzahl von Veröffentlichungen.
Die transgenerationale Thematik hat mich ‚gerufen‘ und ist seither ein Schwerpunkt meiner therapeutischen Praxis. Seit nunmehr 22 Jahren habe ich mich intensiv mit der generationsübergreifenden Symptomatik beschäftigt und habe eine Methode entwickelt um mit den verschiedenen Aspekten von Transgenerationaler Traumatisierung umzugehen. Dabei unterscheide ich zwischen dem ‚Trauma der Nachkommen‘, dem Leid, dass diesen v.a. durch die Traumatisierung der Eltern zugefügt wurde, und dem ‚Trauma der Ahnen‘, d.h. der Traumatisierung der Vorfahren selbst.
Mein Wissen gebe ich, neben meiner Praxis, in Seminaren weiter und in den nächsten Monaten wird wohl auch mein Buch ‚Schon vor der Zeit war Traurigkeit‘ erscheinen.
Dankbar bin ich dafür, dass es mir vergönnt ist andere Menschen auf ihrem Weg zu unterstützen und gleichzeitig teilhaben zu dürfen an deren Schicksal.
Mich selbst bereichert die Arbeit und jeden Tag lerne ich dazu und staune.
Wir leben gerade in einer Meta-Krise, die nur verwandelt werden kann, wenn auch die Stimmen derer hörbar werden, die durch Trauma gegangen sind. Gewaltfreie Kommunikation und das Wissen um Trauma tragen die Kraft, unsere Welt zu verändern – und dein Licht trägt dazu bei, dass dieser Wandel möglich wird.
Diane und das Team von Muutos e.V.