Der Beitrag heute ist von Diane Lüning von Muutos e.V.  „Ich freue mich, Menschen zu verbinden und Orte zu schaffen, an denen Perspektiven zusammenkommen und Netze entstehen. Ich freue mich sehr darüber, dass hier Menschen gemeinsam diesen Raum gestalten – Menschen, die auf ihre eigene Weise zu Heilung, Bewusstheit und gesellschaftlichem Wandel beitragen und sich mit sehr ähnlichen individuellen und kollektiven Themen beschäftigen.

Warum hat es sich für dich gelohnt, dich mit Traumaheilung zu beschäftigen – sei es auf deinem eigenen Weg oder in der Begleitung anderer?“ 

In meinem heutigen Türchen erzähle ich von mir persönlich und warum sich der Weg für mich gelohnt hat. Und ich spreche darüber, warum Traumaheilung für uns als Menschheit so wesentlich ist, wenn wir Trennung, Konkurrenz und Polarisierung wirklich überwinden wollen.

Ja. Es hat sich gelohnt, weil ich inzwischen so viel mehr verstehe. Ich weiß heute: Ich bin nicht gestört, nicht krank, nicht komisch. Ich habe Entwicklungstrauma erlebt. Das ist alles.
Mein Nervensystem hat völlig gesund auf sehr ungesunde Umstände reagiert.
Schon diese Erkenntnis hat in mir so viel verändert.

Ich kann inzwischen mit so viel mehr Wohlwollen auf mich schauen: Diagnosen erklären sich aus der Perspektive meines Nervensystems. Mein manchmal niedriges Selbstwertgefühl verstehe ich – und ich arbeite daran. Und wenn ich heute auf meine Bindungsmuster und nahen Beziehungen schaue, dann kann ich sagen: „Für das, wo ich herkomme, habe ich schon ganz viel geschafft.“

Wenn herausfordernde Dinge passieren, kann ich sie viel besser halten und navigieren: Ich weiß, was mir hilft. Ich spüre meinen Körper anders. Ich kann mich über meinen Körper regulieren, mich um mich kümmern und um die jüngeren Anteile in mir. Ich habe Werkzeuge dafür.

Auch in nahen Beziehungen hat sich so viel verändert. Früher kamen in mir schnell Gedanken wie „Das passt eben nicht zusammen, wir wollen Unterschiedliches“ oder „Er liebt mich nicht mehr“ oder „Ich liebe ihn nicht mehr“. Heute sehe ich, wie oft wir aus alten Wunden heraus reagieren – und wie oft unsere Wunden und Dynamiken miteinander sprechen und nicht wir.

Ich wünsche mir, dass wir uns als Menschen anders begegnen: Nicht mehr in den alten Paradigmen von Getrennt-sein, Mangel, Konkurrenz und „jede*r muss auf den eigenen Vorteil schauen“.
Wir erleben das ja sogar in unseren nahen Beziehungen. Selbst da, wo die Menschen sind, die uns am nächsten sind, kämpfen wir oft – und reagieren innerhalb dieses alten Paradigmas, ohne es zu merken.

Dieses Paradigma ist durch Trauma entstanden. Wenn wir es unbewusst weiter übernehmen, führen wir das Trauma fort.
Ich wünsche mir so sehr, dass wir anders miteinander umgehen und nicht mehr aus diesem kollektiven Trauma von „abgetrennt voneinander sein“ heraus handeln.

Tich Nhat Hanh hat dafür ein wunderschönes Wort: Intersein.
Es meint: Wir sind miteinander verbunden, beeinflussen uns wechselseitig, tragen einander und berühren uns – wir Menschen, alle Lebewesen und die Erde.

Dafür braucht es aus meiner Sicht den Weg von Traumaheilung und Integration.

Diane Lüning

Wir leben gerade in einer Meta-Krise, die nur verwandelt werden kann, wenn auch die Stimmen derer hörbar werden, die durch Trauma gegangen sind. Gewaltfreie Kommunikation und das Wissen um Trauma tragen die Kraft, unsere Welt zu verändern – und dein Licht trägt dazu bei, dass dieser Wandel möglich wird.

Diane und das Team von Muutos e.V.

Alle Türchen auf einen Blick findest du hier:

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