Der Beitrag heute ist von Kati Bohnet. „Mit Kati verbindet mich, dass ich ihre liebevollen Bücher für Kinder sehr schätze und es so schön finde, wie sie das Wissen über das Nervensystem lebendig und begeisternd an Kinder, Eltern und Schulen weitergibt.“ Diane von Muutos e.V.

„Was hat dich so berührt, dass du dein Leben (auch) dem Thema Trauma widmest?“ 

Ich glaube, niemand entscheidet sich einfach so für das Thema Trauma.
Zumindest nicht aus reiner Neugier oder, weil es „spannend“ klingt.
Mich hat das Thema gefunden – nicht umgekehrt.

Lange Zeit hätte ich wohl gesagt: Ich bin einfach sehr empathisch, ich will verstehen, warum Menschen sich so verhalten, wie sie es tun. Heute weiß ich: Ich wollte verstehen, warum ich mich manchmal so verhalten habe, wie ich es tat. Warum ich plötzlich nichts mehr fühlen konnte. Warum ich Dinge „verstanden“, aber nicht wirklich verändert habe. Warum ich so erschöpft war, obwohl ich „alles richtig“ machte.

Mein Weg begann nicht in einem Lehrbuch, sondern in einem Therapieraum. Dort, wo Worte manchmal zu viel und gleichzeitig zu wenig sind.
Ich hatte damals keine Sprache für das, was in meinem Körper passierte – aber mein Körper hatte längst begonnen, mit mir zu sprechen. Erst später lernte ich, diese Sprache zu verstehen: die Sprache des Nervensystems.

Als ich das erste Mal von Trauma im körperlichen Sinn hörte – nicht als „Ereignis“, sondern als Reaktion des Organismus auf Überforderung – fiel etwas in mir an seinen Platz. Plötzlich ergaben viele kleine Puzzleteile meines Lebens Sinn: die Anspannung, die scheinbare Stärke, die stille Überforderung, der Wunsch, alles zu kontrollieren, und gleichzeitig die Sehnsucht nach Ruhe.

Ich erinnere mich noch gut an meine erste Gestalttherapiesitzung – dort habe ich mich das erste Mal wirklich gesehen und verstanden gefühlt. Diese Idee, dass mein Körper nicht „kaputt“ war, sondern versucht hatte, mich zu schützen – das war tief berührend.
Ich hatte jahrelang gedacht, ich müsse einfach „mehr schaffen“. Dabei hatte mein Körper längst signalisiert: Es ist zu viel.

Vielleicht widme ich mein Leben dem Thema Trauma, weil ich erlebt habe, wie viel Freiheit entsteht, wenn Immobisilierung zu Lebendigkeit wird. Wenn wir aufhören, uns für unsere Reaktionen zu verurteilen, und anfangen, sie als Überlebenskunst zu sehen.

Ich habe so viele Menschen getroffen, die glauben, sie seien „zu sensibel“, „zu kompliziert“ oder „nicht belastbar“. Und dann sehe ich, wie ihre Gesichter weicher werden, wenn sie verstehen, was ihr Nervensystem da eigentlich leistet. Diese Momente berühren mich jedes Mal wieder.

Traumaarbeit bedeutet für mich, dass wir lernen, die eigene Lebendigkeit wieder zu spüren – Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug.
Dass wir uns selbst mit Mitgefühl und Milde begegnen, statt mit Druck.
Und dass wir begreifen, dass Heilung nicht bedeutet, das Alte zu vergessen, sondern es zu integrieren. Und dann wachsen wir auf einmal.

Ich widme mein Leben dem Thema Trauma, weil es im Kern um etwas zutiefst Menschliches geht: um die Sehnsucht nach Sicherheit, nach Verbindung, nach einem Zuhause im eigenen Körper.

Und weil ich erlebt habe, dass genau dort – wo wir anfangen, uns selbst wirklich zu verstehen – das Leben wieder beginnen kann.

Kati Bohnet

Wir leben gerade in einer Meta-Krise, die nur verwandelt werden kann, wenn auch die Stimmen derer hörbar werden, die durch Trauma gegangen sind. Gewaltfreie Kommunikation und das Wissen um Trauma tragen die Kraft, unsere Welt zu verändern – und dein Licht trägt dazu bei, dass dieser Wandel möglich wird.

Diane und das Team von Muutos e.V.

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